Fuerteventura
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Fuerteventura

Die Zeit auf Lanzarote neigt sich dem Ende zu. Die drei Monate sind so unglaublich schnell vergangen. Nur ein kleiner Bruchteil der Momente, der Begegnungen und der wundervollen Erlebnisse konnte ich in den letzten Blogbeiträgen vermitteln. In dieser Zeit durften wir sehr viel auf der Insel entdecken und wir fühlen uns mittlerweile sehr heimisch dort. Die Karte vermittelt einen groben Eindruck davon wo wir überall waren:

Unser grober Standortverlauf von 3 Monaten Lanzarote anhand von GPS-Daten unserer Bilder rekonstruiert

Zwar hindert uns niemand daran, noch länger auf Lanzarote zu bleiben und die kleine, eigene Welt noch besser kennenzulernen. Doch nach einem Besuch von Janas Schwester mit ihrem Freund und einer tollen Zeit folgte auch ein Abschied. Und auch von Patrik und Meret, die nun nach Teneriffa weiterziehen und danach mit der Fähre auf das Festland und dann in Richtung Schweden fahren, müssen wir uns verabschieden. Wir verspüren, dass wir nun auch bereit sind, die Insel zu verlassen und uns auf etwas neues einlassen möchten. Fuerteventura.

Mit der Fähre von Lanzarote nach Fuerteventura ist es nur ein Katzensprung. Wir können sie spontan für 80 Euro buchen und innerhalb von einer knappen Stunde sind wir schon dort. Interessanterweise sieht es hier doch sehr anders aus als auf Lanzarote. Dunkles Vulkangestein sehen wir seltener, dafür helleren Sandstein in allen brauntönen und Formationen. Die Häuser sind nicht einheitlich weiß, sondern kunterbunt. Und es gibt Sand. Viel Sand. Und Wind;
Fälschlicherweise hört man immer wieder, dass das Wort „Fuerteventura“ soviel bedeutet wie „starker Wind“. Belege dafür gibt es aber keine. Auch hören wir immer wieder, dass immer und überall ein starker Wind wehen würde. Es gibt sehr wohl Stellen, an denen es immer Wind hat, beispielsweise am Strand von Sotavento, an dem die jährliche Kitesurfer-WM stattfindet. Jedoch finden wir auch komplett windstille Orte an denen die Luft steht. Wie zum Beispiel bei Betancuria, La Lajita oder Gran Tarajal.

Nach unserer Ankunft am Hafen von Corralejo geht es zunächst durch das gleichnamige Naturschutzgebiet in der Hoffnung, dort einen schönen Platz für die Nacht zu finden. Leider gibt es hier nur Stellplätze direkt an der Straße, weshalb wir weiterfahren. Dennoch ist das Naturschutzgebiet beeindruckend. Haushohe Wanderdünen aus feinstem Saharasand prägen das raue Landschaftsbild.
Nach einer Stunde Fahrt finden wir einen schönen und einsamen Platz mitten im Nirgendwo zwischen Corralejo und der Hauptstadt Puerto del Rosario. Uns überrascht es, dass wir bis jetzt so gut wie keine ausländischen Camper sehen wie auf Lanzarote. Auch die Infrastruktur und die Hotelanlagen sehen so aus, als hätten sie die besten Zeiten hinter sich. Wie wir einige Zeit später erfahren werden, mussten einige Hotelanlagen aufgrund von Corona schließen. Die Insel ist zwar immer noch bei Touristen beliebt, dennoch beschränkt sich der meiste Tourismus auf die Hochburgen Corralejo und Costa Calma. So gut wie niemand kommt für einen „Campingurlaub“ auf die Insel.

Unser erster Platz auf Fuerteventura – Mitten in der Pampa

Nach ein paar sehr erholsamen Tagen wollen wir die Insel weiter erkunden. Wir wollen die Strände entdecken wofür die Insel bekannt ist. Hell-goldener Sand mit türkisblauem Wasser. Dafür fahren wir auf die andere Seite der Insel – zur Westküste. El Cotillo ist das letzte Örtchen mit Infrastruktur, alles südlich davon ist Natur pur. Im Verlauf der nächsten Tage entdecken wir nicht nur hier, sondern auch im Südosten beeindruckende Steilklippen, Buchten und malerische Strände:

Zugegebenermaßen sind die Stellplätze nicht so einfach zu erreichen. Auf einer der Holperpisten verlieren wir unseren Abwassertank, den wir glücklicherweise provisorisch mit Kabelbinder wieder befestigen können. Immerhin bleiben wir nirgends stecken – im Gegenteil; Wir können festgefahrene, deutsche Auswanderer, dabei helfen, wieder aus dem Sand zu kommen.
Generell beschränken sich unsere Kontakte auf ein Minimum. Im Gegensatz zu Lanzarote treffen wir hier so gut wie nie auf andere Reisende oder Einheimische, die offen für ein Austausch sind. Hier gibt es nach unserer Erfahrung fast nur zwei Arten von Camper: Spanische Dauercamper, die aus Armut in einem Wohnwagen oder Wohnmobil leben müssen und dementsprechend keinerlei Interesse an Kontakten haben, oder meist Deutsche Auswanderer beziehungsweise eher „Einsiedler“ die ihre Ruhe wollen. Nach den positiven Kontakten auf Lanzarote empfinden wir das nach einer längeren Zeit als schade, aber wir können die Insel und die Ruhe trotzdem genießen und haben eine meist wundervolle & entspannte Zeit.

Das ändert sich schlagartig. Ich muss, beziehungsweise möchte die Reise aufgrund eines Notfalls in Deutschland unterbrechen und fliege kurzentschlossen dorthin. Das führt uns wieder plötzlich und unvermindert vor Augen, wie wertvoll die Zeit ist, die wir haben. Obwohl wir es eigentlich wissen, unterstreicht es den Wert des Lebens noch einmal und bestärkt uns in der Entscheidung, auf Reisen zu sein. Noch in Deutschland wird klar, dass sich die Situation zum Guten wendet, auch wenn Narben bleiben werden.
Nach einer Woche kehre ich erleichtert in unser kleines Paradies zurück. In den nächsten Tagen werden wir eine Entscheidung treffen, die einiges ändern, aber auch einiges von uns abverlangen wird…

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